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NATURGARTEN · DESiGN · LEBENSKUNSt
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Naturnahe Gartengestaltung à la mode de NATUR · GARTEN · FREISiNN

Autor: Martin Konrad Zopf

Lesedauer: 7 Minuten

Naturnah, naturhaft, naturgemäß – natürlich inflationäre Begriffe, nachhaltige Modewörter der Sonderklasse für alles, was uns gut und richtig erscheint. Leider. Und dennoch: so schwierig und schwammig diese Wörter womöglich auch klingen mögen, so einfach und wahrhaftig sind im Grunde deren Bedeutungen. Sie bezeichnen nun also alles, was Natur ist und aus ihr kommt oder der Natur nahe, verwandt oder ähnlich ist. Also eh alles, oder nicht? Jetzt schon verwirrt? Vielleicht bringt der folgende Beitrag ein wenig Klarheit in diese allgegenwärtige Thematik, jedenfalls im Bezug zur Gartengestaltung und aus der Sicht von NATUR · GARTEN · FREISiNN. Das wollen wir natürlich hoffen.

Geschichte des „Gartens an sich“

In den Dutzenden und Aber-Dutzenden Pflanzungen und Gärten, die wir im Laufe der Jahre gestaltet, angelegt und entwickelt, geplant, betreut, gepflegt, erlebt und genossen haben, begegnete uns bereits die volle Breitseite, die das Leben und Arbeiten „mit der Natur“ so zu bieten hat.

Wobei vorneweg gleich einmal konstatiert werden muss, dass der „Garten an sich“ schon als der Inbegriff der „Nicht-Natur“, des „Un-Natürlichen“, der „Ur-Kultur“ überhaupt gelten kann. Der Garten ist demgemäß schon seit jeher ein Raum, wo in uralten, archaischen Kunstgriffen die „Natur“ vom Menschen urbar gemacht wird, „kultiviert“ nämlich, „gepflegt und bebaut“ und „beackert und gepflügt“, wie sich schon in der lateinischen Wortwurzel des Begriffs „Kultur“ zeigt. Der „Gärtner und Gartenbauer“ oder gar „Gartenpfleger und -gestalter“ ist folglich von seinem Wesen her ein zutiefst widernatürlicher Quertreiber, ein kulturgewaltiger Rambo, der die Natur zurückdrängt und niederdrückt, um sie seinem Willen zu unterwerfen und nach seinen Vorstellungen zu gestalten und weiter zu entwickeln?

Aus Sicht des heutigen, (wenigstens oberflächlich anmutenden) natur-freundlichen Zeitgeistes können derartige Annahmen geradezu blasphemisch gedeutet werden. Doch dies zeigt nicht zuletzt auch wie vielschichtig die Fragestellung nach dem Wesen von „Natur vs. Kultur“ sowie insbesondere die Stellung des Menschen darin ist, und welche Rolle und Bedeutung der Garten dabei hat. In diesem Sinne ist die Frage nach der naturnahen Gartengestaltung – um nicht zu sagen – ganz und gar essenziell systemrelevant!

Also worin besteht nun ein „naturnaher Garten“?

Wie sieht dieser aus und was muss man dafür tun? Nichts, oder?

Nana, vielschichtig wie die oben angesprochenen philosophischen Grundlagen ist nun wohl auch die gartengestalterische Praxis. Und alles dazwischen aus unserer naturgemäß interdisziplinären Betrachtungsweise. Und wie sehen dabei nun wir als NATUR · GARTEN · FREISiNN die ganze Geschichte, was ist unser Profil, unsere Positionierung, was ist unsere Planungs- und Gestaltungsphilosopie und vor allem: wie arbeiten wir und was könnt ihr euch von unserer Arbeitsweise erwarten? Geben wir uns noch etwas Zeit, dann kommen wir der Sache schon näher.

Und so sei auch gleich einmal vorweg genommen und dabei schamlos offen heraus gesagt: ja wir haben auch schon Thujenhecken gepflanzt (und ebenso kilometer- und tonnenweise zurück geschnitten oder gerodet)!

Naja, zugegeben: immerhin waren es nicht sehr viele derartige Neupflanzungen (wenigstens nicht selbstverantwortlich im eigenen Gartengestaltungsbetrieb) und im Grunde genommen agierten wir dabei auch nicht aus breitbrüstiger Überzeugung (in der Thujenheckenfrage ticken wir nämlich schon seit jeher sehr einschlägig). Eher agitierten wir aus einer Art jugendlichem Übermut heraus. Damit möchten wir jetzt aber definitiv keine moralische Debatte vom Zaun brechen, so frei nach dem Motto: „Misstraue jedem, der hinter einer Thujenhecke lebt, und meide diese schwer verdächtige Spezies; schauen wir lieber, dass wir schnell wieder weiter kommen ehe sie uns noch hinter ihren Gartenzwergen versteckt fotografieren und beim Bürgermeister melden und nichts wie rüber zu den Kirschlorbeerhäusern“, so ungefähr auf diese Tour…

Unsere praktischen Erfahrungen

Um Himmels Willen: Nein! Dafür haben wir einfach schon zu viele herzhafte Thujenheckenbesitzer kennengelernt. Und es muss noch dazu gesagt werden: eine Thujenhecke ist nun einmal auch eine massive Raumgrenze, ein solider Sichtschutz, ein Haufen Arbeit und der ausgewachsene Stolz vieler ehrenwerter Klein- und Großbürger. Vielmehr möchten wir eine Lanze brechen für die eingefleischte Relativität der ästhetischen Empfindung sowie des individuellen Geschmacks und persönlichen Gustos, über den sich bekannterweise trefflich streiten lässt. Respekt und Hochachtung also vor dem „Gartengenuss an sich“, der sich ebenso unterschiedlich ausdrücken kann wie die Menschen und ihre von deren Eigenart und Lebensentwurf geprägten Gärten!

Jetzt wird euch vermutlich aber auch nicht allzu sehr überraschen, dass die landläufig sogenannte Thuje – der allseits beliebte „Abendländische Lebensbaum“ (Thuja occidentalis) – nicht gerade zu den Top-Favoriten unserer Best-Of-Heckensträucher gehört. Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) übrigens rangiert dort ebenfalls nicht ganz oben auf der Liste. Allerdings pflanzen wir diesen dankbaren Allrounder schon auch ganz gerne einmal an einem launigen Platzerl irgendwo dazwischen, wenn’s passt. Weil’s cool ist, und fast schon wieder retro. Und weil wir diese Pflanze – manchen scheint sie auch als eine Art „Hipster-Thuje“ – einfach irgendwie mögen in ihrer exotischen Anmut.

Nun treibt euch wohl, geneigte Leser und Pflanzenliebhaber beider oder aller Geschlechter, die gute Frage um, welche floralen Superstars uns leibhaftige Pflanzen-Fans so besonders betören. Und obgleich wir generell keine ausgesprochen fanatischen Fundamentalisten sind – also auch nicht in Fragen der Pflanzenverwendung – und uns auch ästhetisch gerne eher breit aufstellen, ist unsere Neigung hierbei sehr schnell zusammengefasst:

Wir realisieren naturnahe Gartengestaltung insbesondere durch Pflanzungen mit naturhafter Ästhetik sowie stimmiger Integration von heimischen Wildpflanzen und Naturmaterialien mit ökonomischem sowie ökologischem Mehrwert!

Zum Verständnis wollen wir hierzu nun folgende praktische Beispiele anführen:

Bei der Gestaltung von Staudenbeeten zeigt sich in der integrierten Verwendung von ausgewählten heimischen, standortangepassten Wildstauden wie Storchschnabel, Wolfsmilch, Wilder Karde oder Königskerze eine ökologisch und ökonomisch wert- und sinnvolle sowie ästhetisch-exquisite Pracht. Die wilden Allerwelts-Besiedler aber gartengestalterischen Sonderlinge stehen in ihrem Zierwert vielerlei von Menschenhand gezüchteten Mitbewerbern zumeist kaum hinten nach, verfügen jedoch über eine stabile Robustheit, lebendige Dynamik und besonders vielfältigen ökologischen Nutzen.

Auch die Anlage einer naturnahen Blumenwiese kann mit floralen Tausendsassan wie der Margerite (Leucanthemum sp.) den Freund von zierlicher Pflanzenpracht sowie pflegeleichtem Gartenglück ästhetisch sowie ökonomisch schnell überzeugen. Ist als Basis für die Pflanzgestaltung dann zu dem betont mageren Substrat dann auch noch ein steinig-schottriges Milieu gegeben, entwickelt sich mit der Zeit eine gar bezaubernde Augenweide mit wunderlichem Kräutersegen.

Auch bei der Gestaltung von Hecken hat sich die Pflanzung heimischer, standortgerechter Landschaftsgehölze stets als wahre Wohltat erwiesen. Beispielsweise heimische Wildgehölze wie der Dirndlstrauch (Cornus mas) oder die Felsenbirne (Amelanchier ovalis) spielen als wertvolle Alleskönner alle Stückerl vom Gartenschmuck bis zum Fruchtgenuss – vom ökologischen Nutzen ganz zu schweigen.

Was wir nun unter einer „naturhaften Ästhetik“ verstehen, verraten wir euch gerne an anderer Stelle. Einen kleinen Teaser möchten wir aber schon mal vorausschicken: wir sind begeisterte Freunde des „New Wave Planting“, wie es rund um die niederländischen Gartengestalter, -künstler und -philosophen Piet Oudolf, Henk Gerritsen, Rob Leopold & Co beschrieben und praktiziert wird.

Schlussfolgerung in Theorie und Praxis

Unsere Erfahrungen und Erkenntnisse bezüglich grundlegender Prinzipien und Muster für die Gestaltung naturnaher Gärten möchten wir schließlich nun folgendermaßen zusammenfassen:

Eine gelungene Pflanzengestaltung besteht in einer naturnahen, artenreichen, vielfältigen, gleichermaßen dynamischen sowie stabilen, ökologisch angepassten und ökonomisch funktionsfähigen und dabei nachhaltig attraktiven Gesellschaft aus Pflanzen, Tieren, Pilzen, Kleinstlebewesen sowie – unser besonderes Augenmerk – dem alles entscheidenden Erfolgsfaktor Mensch!

Derartige Pflanzungen können in den von uns geplanten, gestalteten und betreuten naturnahen LEBENS·Räumen leibhaftig erlebt und genossen werden. Mit großer Freude vermitteln wir euch unsere Philosophie und Arbeit aber auch anhand unserer Fotos, Texte und Blog-Beiträge. Nehmt gerne weiters einen kleinen Einblick in ausgewählte Projekte auf unserem Portfolio. Viel Spaß beim Flanieren, Schauen, Betrachten, Lesen, Sinnieren, Schmökern & Gustieren!

Am Ende möchten wir euch noch folgenden Sinnspruch mit auf den Weg geben:

Das Feld ist offen für den Geist

In diesem Sinne wünschen wir euch viele freudvolle, inspirierte und besondere Momente und SINN·vollen LEBENS·Genuss mit Leib & Seele.

Autor: Martin Konrad Zopf

Foto: NATUR · GARTEN · FREISiNN OG