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NATURGARTEN · DESiGN · LEBENSKUNSt
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Der Philosoph im Garten zur Lebenslust

Autor: Martin Konrad Zopf

Lesedauer: 3 Minuten

„Hier wirst du dich wohl fühlen: Hier ist die Lust das höchste Gut!“

Welch einladender Sinnspruch, den der legendäre altgriechische Gartenphilosoph Epikur dort am Eingang seines weithin beliebten Lustgartens als weise Empfangsinschrift anbrachte. Wen packt da nicht gleich die nackte Neugier und er möchte voller Freude und Entdeckergeist eintauchen in die geheimnisvoll-glückseligen Gefilde der erlauchten Philosophengemeinde und stante pede auskosten, was sich da wohl so abspielen mag, hinter den würzigen Lorbeerhecken, den knorrigen Olivenhainen und unter den fruchtig-saftigen Feigenbäumen.

Aber Achtung: Bevor euch jetzt gar ein anrüchiger Film im Kopfkino abzulaufen beginnt mit wilden Bildern zügelloser, unsittlicher Ausschweifungen, sei freilich auch Folgendes gleich sonnenklar gesagt:

„Anfang und Ursprung alles Guten ist die Lust des Leibes. Auch das Weise und Edle beruht auf ihr.“

Jawohl, also sprach Epikur. Und demnach begründet sich „das Gute“ laut dem antiken Glücksphilosophen – und wir meinen damit insbesondere ebenso „das gute Leben“ – zunächst ausdrücklich auf einer gesunden Körperlichkeit, welche folglich aber der Urgrund ist für – sagen wir sinngemäß – Erkenntnis, Weisheit, Edelmut und Anstand.

In diesem Sinne empfiehlt Epikur bei aller Lust und Lebensfreude dazu nun ebenso das Streben nach Gelassenheit und Seelenfrieden bei natürlicher, einfacher und ausgewogener Lebensweise.

Ihr müsst also wissen: „Diese Gärtchen regen den Hunger nicht an, sondern stillen ihn.“

Und freilich: „Es ist weder möglich, lustvoll …, ohne besonnen, edel und gesittet zu leben, noch ist es möglich, besonnen, edel und gesittet …, ohne lustvoll zu leben.“

Zudem bekräftigt Epikur insbesondere auch den Wert von Freundschaft und sozialen Beziehungen, von guten Gedanken und Gesprächen, von Schönheit der Natur und Kunst, von Furchtlosigkeit sowie von zeitloser, spontaner Glückseligkeit in einer Art „Philosophie des Augenblicks“ als schwergewichtig für individuelle Daseinsfreude und Seelenheil.

Soweit so gut.

Kein Wunder: als Freunde der gepflegten LEBENSKUNSt sehen auch wir – ähnlich wie unser Geisterbruder Epikur – den Genuss des Körperlich-Sinnlichen als essenziell für ein gutes, gelingendes und glückliches Dasein samt gemeinschaftlich-sozialer sowie geistig-seelischer Erfüllung.
Insbesondere teilen wir mit dem lebenslustigen Weisen von Herzen die Auffassung, dass es hierfür wohl keinen stimmigeren, irdischen Ort geben mag als einen lebendigen, üppigen Garten mit all seinem natürlichen Reichtum und kulturgeschaffener Pracht.
Wo sonst kann freud- und genussvoller, gediegener und erlesener gegessen, getrunken, gefeiert, gelacht, gespielt, gesungen, getanzt sowie auch philosophiert, sinniert, meditiert, gebetet, geleibt und geliebt werden?

Jawohl, beim Belenos. Und wie wir gerne – begeistert, herzhaft und beseelt aus tiefer Inbrunst – auch noch dazu sagen:

„Der Garten ist ein Tempel der Lebenskunst.“

Schlussendlich empfiehlt der altkluge Philosoph des guten Lebens:
„Man muss zugleich lachen und philosophieren, sein Haus in Ordnung halten, seine übrigen Fähigkeiten nutzen und niemals aufhören, die Erkenntnisse zu verkünden, die man aus der rechten Philosophie gewonnen hat.“

In diesem Sinne möchten auch wir ins selbe Horn stoßen, lauthals die frohe Botschaft hinaus posaunen und mit dem allerweltsbekannten, geflügelten Wort des römischen Dichters und Epikureers Horaz herzlich dazu einladen:

„Carpe diem!“

Nun denn: gehet hinaus in den Garten, pflücket euch den Tag und genießet die Freuden des Lebens! Amen.

Autor: Martin Konrad Zopf

Foto: NATUR · GARTEN · FREISiNN OG

Quellenangabe zur Literatur: Zitate aus „Epikur: Der Weg zum Glück“, 2011